30
November
2011

Das Richtige tun

Was heißt es, das Richtige zu tun oder der/die Richtige zu sein? 

richtig sein, Der Richtige, Die Richtige, das Richtige tun
Wir alle leben in einer Welt, in der der Schein wichtiger ist als das Sein.

Wir werden dazu erzogen der „Richtige“ bzw. die “Richtige” zu sein und entsprechend zu handeln. Wir alle stehen – mehr oder weniger – unter dem Druck, Erwartungen zu entsprechen – die Andere an uns haben.

Abweichende Handlungen (innen wie außen) werden gnadenlos mit Missachtung gestraft.

Der Wahnsinn, der sich in jedem Tag unseres Zusammenlebens zeigt, ist ein Symptom der heutigen Scheinwelt.

Was ist wirklich wichtig?

Kennst du noch das Gefühl, vollkommen aufgehoben zu sein – und dich “richtig” zu fühlen? Kennst du das Gefühl, mit Tieren, Pflanzen, etc. im direkten Kontakt zu stehen? Ich glaube es noch zu kennen.

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, sehe ich nur große Wiesen, alte Bäume, der Duft von wilden Blumen und der Ausblick auf Ausläufer des Himalaya. Ich habe mich im Sommer immer gefragt, warum es hier so warm ist und da auf dem Berg Schnee liegt.

Die Winter waren hart, lang und verdammt kalt. Meter hoher Schnee.

Zwei Jahreszeiten, Sommer und Winter, 40° in beide Richtungen des Thermometers.

Ich bin in Kasachstan geboren und aufgewachsen. Und ich bin unendlich dankbar, dass mein erster Lehrer die raue, wunderschöne und erbarmungslose Natur war, die ich gemeinsam mit meinem Bruder auf der Suche nach Identität erforscht habe.

Was mich definiert und geprägt hat, war die grenzenlose Neugierde, die mir bis heute erhalten geblieben ist. Und ich hoffe, ich kann diese Neugierde dazu verwenden, um einen Beitrag zu leisten, der die Menschen in meiner Reichweite für die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele zu sensibilisieren.

Denn die Zerbrechlichkeit von Kristall ist kein Zeichen für Schwäche, sondern vollendete Feinheit.

Was es bedeuten kann, wenn ein Mensch sein gesamtes Selbst über Erfolg, Status, Größe und Überlegenheit definiert, erschloss sich für mich in einer Lebensphase, in der ich mich diesen Illusionen blind, gehorsam und voller Hoffnung hingegeben habe, ohne den blassen Schimmer, was diese Anpassung an „richtiges“ Verhalten so alles mit mir anstellen würde.

Die Gefahr am “Richtig sein wollen”

Ich wollte in diesem Moment stets das Richtige tun, der Richtige sein und es allen Recht machen. Vielleicht kennst du das Gefühl.

Das Problem war: Wenn mein Status in der gesellschaftlichen Hierarchie darüber entscheidet, ob ich mich als Mensch wert oder unwert fühle, stehe ich unter dem ständigen Druck, diesen Vorstellungen von Erfolg, Größe und Unfehlbarkeit entsprechen zu müssen.

Für mich und für sehr viele Menschen gibt es keine Ruhe, keine Gelassenheit, keine Leichtigkeit und kein Leben ohne Angst. Wir alle sind in permanenter Anspannung und müssen gewappnet sein und kämpfen, denn schon morgen könnte (!) die Niederlage lauern und unser Selbstbild bedrohen.

Und sollte eine „Niederlage“ wirklich eintreten, ist dies so schmerzhaft und vernichtend, dass unser Herz für immer verschlossen bleiben muss aus Angst, diesen Schmerz jemals wieder zu erleben.

Uns bleibt dann nichts, wenn unser Rollenspiel nicht mehr funktioniert.

Der Verlust der beruflichen Position, die Einbuße des gesellschaftlichen Status wird zur absoluten Katastrophe.

Wer den meisten Menschen nur lange genug in die Augen schaut, sieht, wie abhängig sie von kontinuierlicher Bestätigung und Bewunderung durch Andere sind. Und das ist gar nicht böse gemeint – es scheint lediglich “menschlich” geworden zu sein.

Schwächen zeigen = falsch?

Der äußere Schein, die Makellosigkeit, die Stärke ist unser einziger Halt, um nicht in in den Abgrund aus Selbstzweifel und Scham zu fallen.

Wer sich zu artikulieren weiß, die „richtige“ Musik hört, das richtige Auto fährt und dem gerade richtigen Modetrend folgt, ist wenigstens ein kleines Stück davor geschützt, unangenehm aufzufallen. Durch diese Anpassung hat man die Sicherheit „wahrhaft richtig“ zu sein. Und genau darum geht es Menschen ohne eigene Authentizität: „richtig“ sein – um jeden Preis – um sich vor Zurückweisung, Scham und innerer Nichtigkeit zu schützen.

Ein solches, von außen gesteuertes Leben, welches sich im Versuch dieses Bild aufrecht zu erhalten erschöpft, ist den wenigsten Menschen bewusst. Dieses Verhalten wird ja auch durch eine Kultur gefestigt, die „richtiges“ Verhalten belohnt und Anerkennung zollt und anders Denkende in ein Abseits stellt. Kleine Kinder lernen schon sehr früh durch gnadenlose Anpassung an Erwartungen der Erwachsenen etwas zu bekommen, was sie nicht aus sich selbst heraus erzeugen können: Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Fürsorge. 

Sei du selbst – und du bist richtig

Wahre Gefühle, zu denen Angst, Wut, Ärger usw. gehören, werden durch das Zurschaustellen „gewünschter Gefühle“ ersetzt. Wir entwickeln uns zu Schauspielern unseres eigenen Selbst und begegnen einander nur mit den Fassaden aus gespielten Charakterzügen, welche durch Manipulation Effekte erzielen sollen.

Wir spielen diese Rollen so gut, dass wir sie für wirklich und echt halten und sollte es doch einmal vorkommen, dass uns jemand enttarnt (z.b.: in intimen Liebesbeziehungen) entsteht eine kaum auszuhaltende, innere Irritation, die oft in Gewalt mündet (gegen sich Selbst oder  gegen Andere).

Wir ertragen es einfach nicht, wenn uns jemand anders sieht, als wir gesehen werden wollen.

Es gehört sehr viel Mut, Kraft und Ausdauer dazu, die eigenen Rollenbilder zu hinterfragen und ggf. die Fassade hier und da zu lichten. Für mich war es ein unglaublicher Prozess, der mir eine innere Freiheit geschenkt hat, von der ich heute sagen kann, das sie meine größte Stärke ist. Es wird auch immer leichter, zu der eigenen Wahrheit zu stehen und sich echt, wahr und verletzlich zu zeigen.

Wahre Stärke ist nicht gespielte Stärke.

Wahre Stärke entsteht aus einer unbestechlichen, ehrlichen und im Kontakt mit sich selbst stehenden Persönlichkeit, die den Schmerz nicht fürchtet und bereit ist, durch die Nacht dem Tag entgegen zu gehen.

Dieser Prozess der Selbstoffenbarung hat mein Leben radikal verändert. Ich fühle mich freier, liebevoller, präsenter und mehr in meiner Mitte als jemals zu vor. Ich habe zwar gerade keinen Job und dementsprechend wenig finanziellen Spielraum, doch bin ich fast jeden Tag glücklich und genieße den Herbst wie niemals zuvor.

Ich definiere mein Selbst nicht mehr über Dinge, die Andere in mir sehen wollen oder könnten. Das Einzige, was für mich Bestand hat und wonach ich mich richte, ist diese leise, innere Stimme die ich als einzige, echte Autorität anerkenne.

Steh zu dir – voll und ganz

Jeder von uns hat seine Geschichte, den unbeleuchteten Keller. Und es ist immer JETZT der richtige Zeitpunkt, dort hinzuschauen, um das Dunkle in Dir offen zu zeigen. Wir alle sind nicht geboren wurden, um dem Mond ähnlich, nur eine Seite dem Licht entgegenzustrecken und den anderen Teil, der uns als Mensch ausmacht, im Dunkeln zu verstecken und darauf zu hoffen, dass es niemals irgendjemand bemerkt.

Ich bitte dich jetzt innezuhalten und dich selbst zu fragen, was für ein Leben du leben willst.

Ein Leben im Licht? Oder ein Leben in der Dunkelheit?

Du hast – wie immer – die Wahl. Nutze sie.

 

In Dankbarkeit und Freude,

Robert

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‘Annapurna (left) and Machapuchare (r…’ by Marina & Enrique on Flickr (via Sprixi). CC BY licence.

Autor: Jan
Kategorie: Bewusstsein, Persönichkeitsentwicklung

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Kommentare (3)

  • Michaela
    25/08/2012 at 08:13 |

    Hallo.

    Ich bin wie ich bin. :). Und ich mache das was mir Spass macht.

    Ich diene wie du. Ich habe gelernt für mich das Richtige zu tun. 🙂

    Mir ist es egal was man von mir denkt so lange ich mich in meiner Haut wohl Fühle. Denn das strahle ich aus.

    Lebe im Einklang mit der Natur und den Tieren.

    Und versuche wo ich kann Liebe zu schenken. 🙂

    Liebe Grüsse.

    Michaela. 🙂

  • ingrid
    25/12/2012 at 10:04 |

    hallo, ich habe so viel gelernt durch diese emails und versuche ständig danac h zu leb en, langsam gelingt es und mir geht es besser. ich danke vielmals in grid

  • Hannelore
    24/01/2013 at 09:47 |

    Diese Situiation kenne ich nur zu gut,dadurch das ich mich nicht verbiegen lasse habe ich schon oft die Arbeitsstelle gewechselt,das kommt nicht gut bei den Arbeitgebern.Ich habe mich über das Thema bewertungen Normen von Kind an auseinandergesetzt.Wenn man das erst mal begriffen hat fällt es einem wesentlich leichter darauf zu achten das man sich nicht bewerten lassen muss.Viele Grüße von Hannelore

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