18
October
2011

Die innere Stimme – wie ich lernte, meiner Wahrheit zu folgen

Innere Stimme, die Wahrheit in dir, Wahres Selbst, dein wahres IchWas ist da oben los?
Woher kommen all meine Ängste, Sorgen und Hoffnungen?
Warum kreisen die Gedanken abends vor dem Einschlafen immer so stark?
Warum habe ich Angst vor etwas, was noch gar nicht geschehen ist?
Und warum bedauere ich etwas, was vielleicht in der Vergangenheit geschah?
Wer ist der, der da oben sein Unwesen treibt?

Fragen über Fragen.
Ich gebe einmal einen kleinen Ausschnitt aus meinem Leben wieder, damit du, lieber Leser, dir ein Bild von dem machen kannst, wie es möglich ist, diese Stimme in deinem Kopf (deine innere Kommunikation mit dir selbst) ausfindig zu machen und zu erkennen, was oder wer du tatsächlich bist.

Die innere Lüge

Im Juli 2011 habe ich erfolgreich eine Ausbildung zum Kaufmann für Finanzen beendet und darf jetzt ganz offiziell Papier schmutzig machen. Nachdem ich den Wisch von der IHK erhalten habe, dass ich nun einen Titel tragen darf, habe ich seltsamerweise überhaupt keine Erleichterung oder eine gewisse Befriedigung empfunden und war irgendwie nur enttäuscht, dass ich es tatsächlich fertig gebracht habe, mich 3 Jahre lang selbst zu belügen und nicht dem zu folgen, was ich als „richtig“ ansehe.

Nach den praktischen Prüfungen saß ich in meinem Auto und irgendetwas sagte mir, dass ich sowas wie einen freien Willen habe und in einer Welt voller Polaritäten entscheiden darf, in welchem Umfang ich meiner Wahrheit folge. Das wurde mir derart schlagartig und in einer solchen Tiefe bewusst, dass es für einen Moment unmöglich war, eine Entscheidung zu treffen und einen Weg einzuschlagen, von dem ich mit 100%tiger Sicherheit sagen konnte, dass er nicht der Richtige für mich ist.

Am selben Nachmittag betrat ich mit dieser tiefen und relativ schmerzhaften Erkenntnis ein Büro, in dem ein Bild in den Maßen 1×2 Metern hing. Groß und fett, von 1-Dollar-Noten umrahmt, war ein Zitat abgebildet: „Der schönste Satz ist Umsatz!“.

Nun saß ich da, vor mir der IHK Brief, neben mir mein Ausbilder und neben meinem Ausbilder ein Mensch, der für diese Skurrilität (das Bild) verantwortlich war und seine rote, aus Seide, in Handarbeit gefertigte Krawatte trug.

Das aufgesetztes Colgate-Lächeln wirkte wie die Überschrift zu dem 5000€ Anzug mit passenden Schuhen, die den Wert eines durchschnittlichen Monatseinkommens haben. Er saß da, wie einer von Gottes eigenen Prototypen, ein aufgemotzter Mutant von der Sorte, die niemals für eine Massenproduktion in Betracht gezogen wurden.
Ich hingegen trug schon seit Wochen keine Krawatte mehr.

Er reichte mir die Hand und gratulierte mir für diesen sogenannten „Erfolg“ und sprach mit mir als ob ich überhaupt nicht im Raum wäre. Er schaute wie paralysiert auf den künstlichen Blumenstrauß in der Mitte des Tisches und rückte ihn alle 30 Sekunden zurecht, natürlich im rechten Winkel zur Tischkante. Ich war irgendwie amüsiert von dieser unheimlichen Show und fühlte mich wie ein Affe im Zoo.

Nach etwa 10 Minuten „very-small-talk“ kam der entscheidende Moment, der mein Leben verändert hat.

Die innere Wahrheit

Mir wurde eine Vertragsausarbeitung gereicht, ein kryptographisches-rechtsverbindliches Meisterwerk. Nach den ersten drei Sätzen in denen irgendwelche Begriffsbestimmungen abgehandelt wurden, unterbrach ich das Lesen, schaute Herrn Prototyp-Mutant an, lächelte wie ein Junge der zum ersten Mal im stehen pinkelt und sagte einfach: „Nein“

Ich hatte schon fast vergessen, wie mächtig ein wahrhaftiges Nein sein kann!

„Wie Nein?“ hörte ich meinen Ausbilder leise murmeln. „Ich kann das nicht“, sprach ich mit starrem Blick und einer Angst im Rücken, die sich als eine schrille Stimme in meinem Kopf manifestierte. Der Mensch im 5000€ Anzug schaute mich total entgeistert an und fragte mich: „Was meinen Sie mit Nein?“

Ich stand auf, legte den 200€ Füller auf den Tisch, steckte den IHK Wisch in meine Anzuginnentasche und sagte: „Nicht mit mir“. Ich drehte mich um und ging aus dem Büro. Als ich draußen war, spürte ich plötzlich eine tiefe Freude. Es war wie das Gefühl, nach einer langen Reise endlich nach Hause zu kommen. In diesem einzigartigen Gefühlsmix aus Freude, Unsicherheit und einer tiefen Angst, die sich in der Gegend um meinen Bauch herum sammelte und langsam in mein Bewusstsein vordrang, nahm eine Erkenntnis Platz, die meine Grenzen zu sprengen vermochte.

Es entstand ein Augenblick des totalen Kontaktes mit der inneren Stimme in meinem Kopf.
Genau in diesem Augenblick, einem Augenblick von tiefer Unsicherheit erlebte ich die Quelle der Stimme, an die ich mich schon vor langer Zeit verkauft hatte und nun glaubte, diese zu sein.

Die Quelle bestand aus einer Ansammlung von Glaubenssätzen, Ängsten, Hoffnungen, Meinungen und all dem Zeug welches mich stark negativ beeinflusste – und sich in meiner ganz persönlichen inneren Stimme widerspiegelte.

Sei dir deiner inneren Wahrheit bewusst!

Ich möchte dich, lieber Leser, auf diese Stimme aufmerksam machen.
Es ist die innere Stimme, mit der du so sehr identifiziert bist, dass du glaubst, diese Stimme in dir zu sein.
Diese Stimme in deinem Hinterkopf, die dir ständig etwas einredet.

“Welche Stimme?” fragst du?

Beachte bitte, wenn du aufmerksam bist, dass DU dieser Stimme lauschen kannst. Die Frage ist, wer ist dieses DU, das der Stimme lauschen kann? Wenn es diese Stimme gibt – und es gibt sie – dann braucht es einen „Raum“, in dem diese Stimme existiert. Es braucht etwas, das der Stimme zuhört und zu der Entscheidung fähig ist, den Anweisungen zu folgen oder es zu lassen.

Und genau in diesem Augenblick, wenn dir, lieber Leser, klar wird, dass DU DER RAUM BIST IN DEM DIESE STIMME EXISTIERT, hast du die Wahl, dieser Stimme deine Identifikation zu entziehen und dein wahres Selbst, welches durch die (innere) Stimme verdeckt war, zu erkennen und dich von diesem leiten zu lassen.

Das ist wahre Intuition. Und wahre Intuition ist grenzenlos und DIE schöpferische Instanz im Leben eines jeden Menschen. Solange du nur den Befehlen der Stimme in deinem Kopf folgst, ist dein Leben nichts anderes als ein von Konditionierungen erzwungener Prozess. Du wirst zu einer Reiz-Reaktions-Maschine und verlierst das, was dich zum Menschen macht: Freiheit.

Wahre Freiheit ist (nach meiner Ansicht) die Freiheit, zu entscheiden, deinem wahren Selbst bedingungslos zu folgen und dem Leben als Leinwand zu dienen.
Die Sicherheit, nach der so viele streben, gibt es nur auf dem Friedhof – und Wachstum findet nur statt, wenn wir es uns selbst gestatten, trotz tiefer Unsicherheit, kraftvoll, schöpferisch und im Vertrauen zu sein!

Wir alle sind bloß eine Entscheidung davon entfernt, FREI zu sein und das zu leben, was wir WIRKLICH sind.
Ich möchte diesen Beitrag mit einem Zitat beenden, welches mich schon seit längerer Zeit begleitet:

„Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu umarmen oder auf das Glück zu warten.“ – Andreas Tenzer

Ich danke dir und empfehle dir, selbst nach deiner inneren Wahrheit zu suchen – und dabei nur dir selbst zu vertrauen, und eben nicht auf die Störsignale deiner inneren Stimme. So findest du dein wahres Selbst, dein wahres Ich.

Dein Robert

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Foto: ‘Halo,  22-degree halo,  Solar Halo,  22…’ by mikebaird on Flickr (via Sprixi). CC BY licence.

Autor: Jan
Kategorie: Bewusstsein, Persönichkeitsentwicklung

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Kommentare (6)

  • 19/10/2011 at 09:16 |

    Toll ausgedrückt, und ich empfinde es auch so:

    GEH WOHIN DEN HERZ DICH TRÄGT—
    die innere Intuition , ist die stärkste, mächtigste Kraft dieses Lebens,wenn Ich mit Ihr gut verbunden bin!

  • dalej dama
    14/06/2012 at 17:21 |

    Viel Mühe gegeben um das alles zu beschreiben.
    Danke, hab genossen 🙂

  • Daniel
    15/07/2012 at 17:58 |

    Wow, hat mir echt gefallen und mir weiter die augen geöffnet! Danke

  • petty
    26/10/2012 at 07:42 |

    hallo Robert,
    dein sehr ausführlich beschriebener Lebensabschnitt kam mir sehr bekannt vor ;)) Du hast eine lebenswichtige Entscheidung im richtigen Moment getroffen….alle Achtung!!
    Ich hätte mir allerdings gewünscht wenigstens einer Antwort auf die 6 W-Fragen, Eingangs deines Artikels, etwas näher auf die Spur zu kommen; z.B.
    Warum kreisen die Gedanken abends vor dem Einschlafen immer so stark?

    Warum suchen wir ständig nach Antworten die wir im “Grunde” entweder schon lange kennen oder gar nicht wirklich hören wollen?

    Dir ein schönes WE und mach weiter so 🙂

  • Lokita
    02/11/2012 at 16:35 |

    Hi Robert,

    danke für deinen Beitrag, Vieles empfinde ich genauso 🙂 Trotzdem bin ich jetzt irgendwie nach dem Lesen sehr verwirrt. Deswegen musste ich den Artikel gleich noch einmal durchlesen. Bisher habe ich immer geglaubt und auch in anderen Newslettern gelesen, dass man seiner inneren Stimme folgen sollte, also der Intuition. Deiner Meinung nach, ist die innere Stimme ein Störfaktor? Vielleicht meinst du eher den Verstand, der dich ständig warnt oder dich vor Risiken beschützen will? Ich bin der Meinung, dass man immer auf sein Herz hören sollte. (Wenn an es so sehen möchte, sind Verstand u. Herz auch zwei verschiedene “sprechende Stimmen” oder?). Vielleicht kannst du uns noch einmal aufklären oder genauer beschreiben. Ich glaube nicht, dass du wirklich meinst, man solle seiner inneren Führung nicht folgen oder? Und woran erkennt man den Unterschied von der “störenden” inneren Stimme und der wahren inneren Stimmen (die deines WAHREN selbst)?
    Vielen Dank für deine Denkanstöße und alles Liebe 🙂

  • Enrico
    20/02/2013 at 19:18 |

    Beeindruckend was du dir da geleistet hast. Ich selbst kenne dieses Gefühl irgendwoher, kann aber nicht genau sagen woher.
    Und als würde hier von mir die rede sein mache ich gerade genau das selbe. Ich bin Azubi im 3. LJ und wollte eigentlich mein Abitur nachmachen. Das ich damals die Unterschrift unter den Lehrvertrag gesetzt habe habe ich eigentlich bisher fast nur bereut.

    Ich weiß nicht ob ich den Mut heute aufbringen könnte ähnlich schwerwiegendes zu tun wie du.

    Eine beeindruckende Wandlung habe ich bereits hinter mir und es war erst ein kleiner Schritt. Eigentlich wollte ich nur Frauen auf öffentlicher Straße erfolgbringend ansprechen können. Um das können geht es mittlerweile auch nicht mehr. Nun muss ich mich darin üben zu jeder Situation passende Openers zu finden.
    Danke an dieser Stelle an das Team – besonders Danny hat mir sehr geholfen:)

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