26
December
2011

Ein Plädoyer für die Intimität

Für mehr Intimität in unserem Leben.

intimität
Was ist Intimität?

Wie entsteht eine intime Beziehung?

Wie kann Intimität über die Alltäglichkeit „gerettet“ werden?

Ich beschäftige mich schon seit einer gewisse Zeit, in Kooperation mit Menschen, die ich lieben darf, mit den intimsten Bereichen des Lebens.

Es sind, meiner Meinung nach, die Bereiche, die unser Leben erst lebenswert machen und das Fundament darstellen, auf dem sich vieles Andere aufbaut. Immerhin ist jeder Mensch ein soziales Wesen und es gehört zu den unmittelbaren Grundbedürfnissen, sich in mehr oder weniger tiefen, wahren und bereichernden Beziehungen zu bewegen.

Aus diesem Grund möchte ich einige Zeilen zu den Themen Freundschaft, Liebe und Partnerschaft beitragen, in denen sich die Erkenntnisse – die ich im Laufe der Auseinandersetzung erhalten habe – widerspiegeln.



Ich möchte Dir die Möglichkeit aufzeigen, deine eigenen Beziehungen zu hinterfragen und ggf. deine Ansichten, Urteile und Meinungen in diesem Bereich anzuschauen und ggf. zu verändern.

Ab einem gewissen Grad der Beschäftigung mit den Themen der Persönlichkeitsentwicklung, ist es unmöglich, dieses riesige Themengebiet zu umschiffen und sich weiterhin in gewohnten Bahnen zu bewegen. Es ist durchaus möglich, das Leben in verschiedene Bereiche aufzuteilen, in die es sich „lohnt“ einzugreifen, da hier „schnelle“ Veränderungen möglich sind und in anderen Bereiche, die anscheinend zu unbequem, zu komplex, zu eingerastet sind um die Hoffnung zu haben, hier etwas verändern zu können. 

Doch wie sinnvoll ist es, dich als Mensch zu zerteilen und ein halbes Leben zu leben?
Wie sinnvoll ist es, nur Themen zu beleuchten die „schnelle“ Ergebnisse hervorbringen?

Spürst du es auch?

Spüre mal in dich, ob du GANZ leben willst und ob du bereit bist, JEDES Puzzlestück deines Selbst anzuschauen, um es zu einem harmonischen Bild zusammenzufügen.

Wenn du das nicht möchtest oder noch nicht bereit dafür bist, dann hör bitte jetzt auf diesen Text zu lesen. Denn alles was nun kommt, wird dich nicht zufriedenstellen.

Ich möchte den Irrglauben des zerteilten Lebens anschauen und meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Dir teilen. Ich möchte Dich über den Tellerrand führen und Dir die Möglichkeit geben, völlig andere Ansichten, Ideen und Meinungen in dein Bewusstsein aufzunehmen und diese durch dein Herz abzuschmecken um ein Stück Deiner Wahrheit heraus zu kitzeln.

Ich werde mich nun auf das Thema der Intimität konzentrieren, da ich davon überzeugt bin, dass hier eine Erkenntnis ruht, die einiges in Bewegung bringen kann.

Was ist Intimität?

Wenn davon gesprochen wird, dass zwei Menschen eine „intime Beziehung“ miteinander haben, dann meint man, dass diese Menschen körperlichen (sehr nahen) Kontakt haben. Dies hat wenig zu tun mit dem Begriff der Intimität, der meinen Gedanken zu diesem Thema zugrunde liegt. Intimität hat schon etwas zu tun mit der Nähe zwischen zwei Menschen, doch der körperliche Kontakt, welchen diese Menschen haben, ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass diese Nähe da ist, die ich als Intimität bezeichne.

Die Nähe, die ich meine, hat ganz intim etwas zu tun mit der Ehrlichkeit zwischen zwei Menschen. Statt Ehrlichkeit könnte man Authentizität dazu sagen. Intimität kann entstehen, wenn zwei ehrliche bzw. authentische Menschen einander begegnen und jeder bei dem Anderen dieses Wahre und Authentische wahrzunehmen beginnt.

Was hier entsteht, ist schwierig in Worte zu fassen, doch was ganz gut passt, ist: sie „sehen“ sich.

Meistens ist dies ein tatsächlicher Vorgang von Liebe. Wirkliche Intimität, in dem von mir gemeinten Sinn, ist immer eine „anbahnende Liebe“.

Diese Liebe gilt übrigens nicht nur zwischen Frau und Mann, sondern auch zwischen Frau und Frau und Mann und Mann. Wo echte Intimität entsteht, da entsteht Wahrheit. Und wo Wahrheit entsteht, entsteht auch Freundschaft. Und Freundschaft ist nichts anderes als eine weitere Form von Liebe.

Die Nähe zueinander

Dies ist eine Nähe zueinander, die man nicht dauernd beteuern muss, die man nicht ständig aufsuchen muss und auch nicht ständig erwähnen braucht, dass diese Nähe noch besteht. Diese Ebene der Begegnung muss man auch nicht dauernd irgendwie beschützen, aus Angst, sie zu verlieren. Und wenn diese Nähe Zeit hatte um zu wachsen, dann entsteht eine wahre Treue, die mit dem klassischen Begriff der Treue nicht mehr viel zu tun hat.

Intimität ist Menschenliebe, die jenen Grund gefunden hat, wo sie Dauer erhält, OHNE dass man es vertraglich regeln muss. Intimität ist Treue ohne Wenn und Aber. Und diese Treue muss ebenfalls nicht durch irgendwelche Versprechen geschützt werden. Was da geschieht, zwischen zwei Menschen, wenn wirkliche Freundschaft entsteht, ist eine Blaupause für intakte, menschliche Beziehungen überhaupt.

Intimität, in diesem Sinn, ist eine Frage der Menschheit und nicht nur eine private Angelegenheit zwischen zwei Liebespartnern.

Wo Intimität auftritt, da geschehen die großen kleinen Wunder von denen die Poesie und die Lyrik so übervoll sind. Es geschieht diese Art von „Erlösung“, in der man glaubt, alles zu haben was man sich jemals erträumt hat. 

Und genau dies ist auch die große Falle, die z.B.: dazu führt, dass aus einer so wahren und tiefen Erfahrung heraus ein Treueversprechen oder ein Ehevertrag entsteht. Man will diese Erfahrung und dieses Glück für immer festhalten und tut etwas Fürchterliches, wodurch es für immer verhindert wird.

Was ist wahre Intimität?

Wahre Intimität, die in den Hochzeitsnächten gefeiert wird, ist jene Liebe, welche der Schönheit die weitesten und süßesten Flügel verleiht. Vielleicht darf ich es einmal auf einen so einfachen Nennee bringen: Das höchste Glück ist intime Authentizität.
Ich habe dem nichts entgegenzusetzen und auch nichts hinzuzufügen. Das Einzige, was ich mir für Dich wünsche, ist, dass solche Glückserlebnisse Dauer und Beständigkeit erhalten können.

Da Beständigkeit immer im Zusammenhang mit einer wechselseitigen, inneren Öffnung steht, welche wiederum immer durch authentischen und ehrlichen Kommunikationsformen ermöglicht werden, möchte ich Dich darum bitten, solchen Kommunikationsformen zu verwenden, in denen eine gegenseitige Öffnung auf der Grundlage des authentischen Menschen möglich wird.

Hier einige Beispiele wie eine solche Kommunikation aussehen kann:

Nimm dir Zeit für dein Innenleben und werde dir bewusst, was in dir los ist
Schaffe einen „Raum“, indem Wahrheit stattfinden darf
Setzte dir einen widerkehrenden, festen Termin für den Austausch mit deinen Liebsten
Verwende „Ich-Botschaften“ (Ich fühle das; ich wünsche mir; mir geht es so)
Sei bedingungslos ehrlich zu deinem Gegenüber
Achte auf die Motivation, aus welcher zu handelst (willst du recht haben? Willst du Kontrolle ausüben? Willst du einfach eine unkomplizierte Beziehung leben?)

Die falsche Intimität

Ich denke auch, dass es sinnvoll sein kann, Netzwerke von Menschen zu bilden, die ebenfalls diese Ideen unterstützen möchten. Ein Netzwerk von Gleichgesinnten, die dieses ungeheurere Glückspotenzial heben möchten und es im täglichen Leben verankern wollen.
Was verhindert eine intime, wahrhaftige Kommunikation?

Die Intimität, von der ich hier spreche, welche aus allen sentimentalen Treueschwüren herausgewachsen ist, stellt NIEMALS diese eine, große und unglückliche Frage:
„Meint er/sie auch wirklich mich?“

Diese Frage braucht nicht gestellt werden, weil es dazu keinen Anlass gibt. Natürlich meint sie/er mich. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich ja genauso sie/ihn meine. Er/Sie liebt mich, wie ich sie/ihn liebe. Doch was meine Seele so verliebt macht, bin eigentlich nicht ich, sondern diese authentische, schöne, wilde menschliche Situation zwischen uns.

Als mehr oder weniger bewusster Mensch, bin ich mir sicher, dass die Person mit der ich diese Momente des Glückes erlebe, solche Momente auch mit Anderen haben kann und wird. Wer sollte dies besser wissen, als ich?

Die freie Menschlichkeit und die freie Intimität sind keine Gegensätze, sondern sie gehören fest zusammen. Ich möchte ein kleines Beispiel geben:

Die meisten kennen solche Augenblicke: gerade im schönsten und intimsten Gefühl, halten wir inne, und fragen den Partner an unserer Seite plötzlich:

„Könntest du das, was du hier mit mir erlebst, auch mit Anderen erleben?“

Wir tun damit, wahrscheinlich ohne es zu wissen, das ungeschickteste, was ein Mensch in so einer Situation nur tun kann. Möge der Geist der Liebe uns verzeihen. Denn wir wissen wirklich nicht, was wir hier tun.

Wir tun nämlich Folgendes: Wir zwingen den Menschen an unserer Seite zu einem Treueschwur, den er/sie, wenn er/sie ehrlich ist, unmöglich einhalten kann. Wenn er/sie die Frage mit „Nein“ beantwortet, dann ahnen wir, dass er/sie lügt. Wenn er/sie aber „Ja“ sagt, dann toben wir auf der Stelle und machen alle Riegel zu. Da kann überhaupt nichts anderes übrig bleiben als Angst, Wut, Hass und Hoffnungslosigkeit.

Manchmal kann man auch in gängigen Tageszeitungen in kleinen Artikeln lesen, was solche Situationen auslösen können. Ich denke, Du weißt was ich damit meine.

Ich glaube, wir alle können sofort nachvollziehen, was dort abläuft. Schalte nur eine x-beliebige „Daily-Soap“ ein und achte auf zerstörerischen Mechanismen die dort dargestellt werden. Natürlich ist dies alles erfunden und nicht real, dennoch bietet es eine interessante Einsicht in das Innenleben von sehr vielen Menschen.

Im besten Fall entwickelt sich aus so einem Verhalten eine leise Gewohnheit, sich gegenseitig dauerhaft zu belügen, ohne es den Anderen merken zu lassen und ohne weiter nachzufragen.

Ehe ist, wenn man trotzdem lacht. Treue ist, wenn man trotzdem dieselbe Adresse teilt. Liebe ist, wenn nach außen niemand etwas merkt.

Es entsteht eine reale, täglich ablaufende, geistige Perversion die unserer gesamten Gesellschaft und den moralischen Tugenden zugrunde liegt. Ich wage zu behaupten, dass genau diese verrückte Art viele „Liebesbeziehungen“ von Menschen durchsetzt, die versuchen, das Glück der Liebe in eine private Kiste zu quetschen.

Der Schrei nach Liebe

Der Schrei nach Liebe, (um “Die Ärzte” zu zitieren), schlummert in jedem von uns und gibt uns die Sehnsucht, den Willen und die Erwartung, diesem Potenzial einen Raum zu bieten, um sich Ausdruck zu verleihen. Ich ahne die Tiefe dieser Erkenntnis und mir läuft ein Schauer über den Rücken, bei dem Gedanken, was wir mit diesem Potenzial alles so angestellt haben, in Namen der Moral und der „Sittlichkeit“.

Die Kontinuität, die wir uns alle wünschen, vollzieht sich NIE durch den Ausschluss Anderer. Die Liebe, wo sie wahrhaftig erfahren wird, ist wild, anarchisch und unbändig in ihrem Willen, sich vom Zentrum her auszubreiten. In diesem Prinzip der Ausbreitung liegt die große und eigentlich menschliche Grundtendenz des Wachstums. Das „Böse“, was wir hin und wieder in der Zeitung lesen können (Ehemann erschießt im Eifersuchtswahn seine Frau) entsteht, meiner Meinung nach, wenn dieses natürliche Verlangen nach Ausbreitung gestoppt wird und durch eine “Moral”, z.B. die des eifersüchtigen Ehemannes, ersetzt wird.

Wer ist der schuldige? Der wilde Fluss, der seiner Bestimmung folgt, oder der Damm, den wir hinein bauen, um ihn zu bezwingen?

Eine tiefe Frage. Doch die Antwort erschließt sich sofort. Denn dort liegt eine Grundwahrheit des menschlichen Seins. Wer sich einlässt auf den Gedanken, dass sich Liebe nicht binden lässt an Versprechen und Eheverträge und es trotzdem wichtig für die Liebe ist, dass Beziehungen Dauer, Festigkeit und Tiefe gewinnen, der wird nach und nach erfahren, dass er/sie tatsächlich mit mehreren Menschen, vielleicht sogar mit vielen, auf verschiedene Art und Weise, Intim werden kann.

Fast schon könnte das Herz einem zerspringen, bei diesem Gedanken. Das Herz war ja bisher nur an eine Beziehung gewöhnt. Doch sei gewiss, dass es nicht zerspringen kann, denn es erfährt die Freiheit der Liebe. Das Herz zerbricht ja nur, wenn der Raum zu klein und zu eng, ist für die WIRKLICHEN GEFÜHLE.

Mit dem ersten Menschen, den Du liebst und Du ihn/sie nicht belügen musst, weil du auch einen oder zwei andere liebst, könnte die Heilung deines Herzens beginnen und der Raum wird Stück für Stück größer. Denn Liebe gehört zu dem Wenigen, das sich multipliziert, wenn man es teilt!

Im Plädoyer für die Intimität spreche ich die Liebe frei. Denn sie ist wie ein wilder Fluss. Sie findet ihren Weg. Komme was wolle.

In dankbarer Freude, für die Liebe,

Robert

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‘Love’ by catlovers on Flickr (via Sprixi). CC BY-SA licence.

Autor: Robert
Kategorie: Liebe und Beziehungen

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