10
December
2012

Durch Selbstfindung frei sein!

Selbstfindung war vor einigen Jahren ja groß in Mode.

Damals, als Hape Kerkeling seinen Ratgeber zum Jakobsweg veröffentlicht hat. Selbstfindung ist etwas, was jeder von uns davor schon getan hat und auch jetzt noch tut, auch wenn der Jakobsweg Trend wieder abgenommen hat. Ich selbst bin einen großen Teil des Jakobsweges gegangen, habe meine Reise schlussendlich aber früher abgebrochen. Mir wurden auf meinem Weg einfach einige Dinge klar. Dinge, die mir bei meiner eigenen Selbstfindung geholfen haben und die ich in diesem Artikel teilen möchte.

Die unendlichen Möglichkeiten

Es war kurz nach Abbruch meines Jurastudiums. Zwar hatte ich eine Ahnung, wo es jetzt hingehen soll, aber alles in mir hat auch nach einer Auszeit geschrien, nach etwas Zeit für mich.

Sich selbst zu finden ist in der heutigen Zeit wahrscheinlich schwerer denn je, wenn einem nicht gerade ein hervorstechendes Talent und eine unbändige Leidenschaft in die Wiege gelegt sind. Jeder von uns hat viele Talente und Leidenschaften. Und dazu gibt es heute so viele Möglichkeiten, so viel Auswahl. Nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten, in Hobbys, Freizeit, genauso in der Liebe. Ich hatte mich nach meinem gescheiterten Jurastudium in diesen Möglichkeiten verloren. Auf Partys treffe ich hunderte, hübsche Frauen. Neben dem Fahrrad fahren, dem Tennis, Tischtennis und so vielen anderen Sportarten und Aktivitäten, die mich prinzipiell interessierten, hätte ich mein Leben auch einfach mit dem Reisen verbringen können. Doch wohin? So viele Länder, so viele Orte, so viel Bedeutung in dieser Welt. Wie soll ich da wissen, wohin es gehen soll? Wie soll Selbstfindung da noch gelingen? Und damit sind wir ja noch nicht einmal bei den beruflichen Möglichkeiten angekommen.

 Durch Selbstfindung frei sein!

Ich wollte also raus. Und so stand ich auf einmal an einem schönen Sommertag zu Füßen der Berge zwischen Saint-Jean-Pied-De-Port und Roncesvalles. Es war stickig und schwül, doch der Wind tat gut. Also ging ich los. Schritt für Schritt, Stunde für Stunde, Tag um Tag. Über Hügel, Berge, an Straßen entlang, neben Bäumen, bei Flüssen, durch Dörfer und Städte hindurch. In gewissem Sinne war es schön, einfach, beruhigend und gleichmäßig. Ein anderer Teil von mir aber war unzufrieden. Immer stärker keimte dieses Gefühl in mir, dass ich hier nicht richtig bin, dass ich zurück in meine Heimat gehöre und die eigentliche Flucht nicht darin bestand, mein Leben in Deutschland hinter mir zu lassen, sondern hier zu sein.

Jeder von uns braucht Momente, in denen er seinen Kopf frei hat, in denen er nachdenken, sinnieren, abschweifen und ruhen kann, doch dafür brauchen wir keinen Jakobsweg, brauchen wir keinen Urlaub und keine Ferne. Selbstfindung passiert anders. Es liegt an uns selbst, abzuschalten, nicht an dem Ort, an dem wir uns aufhalten. Wer es zu Hause nicht kann und sich dort nicht findet, findet sich auch auf keinem Jakobsweg. Im Grunde war genau das die große Erkenntnis, die ich vom Jakobsweg mitgenommen habe. Meine Unruhe verflog zwar dort, aber eine andere Unruhe trat an ihre Stelle, nämlich die, nur zu fliehen und nicht dort zu sein, wo mein Leben passiert. Ich brach die Reise also nach einigen Wochen vorzeitig ab, setzte mich in den Bus, buchte mir einen neuen Flug, stornierte den alten und kehrte zurück.

Die beste Entscheidung meines Lebens

Rückblickend gesehen war das glaube ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens, denn ich kombinierte sie mit einer anderen Verpflichtung an mich selbst. Wenn ich zu Hause ankommen würde, dürfte ich unter keinen Umständen so weiter machen wie gehabt, sondern müsste mich selbst zwingen, die verbleibende Zeit, die ich in Spanien gewesen wäre nichts zu tun, was ich nicht auch in Spanien hätte tun können. Kein Fahrrad, kein Auto, keine Freunde, keine Partys, kein Sportverein und keine Orte, an denen ich schon war. Auch in Deutschland wollte ich mein Leben pausieren, wollte die Selbstfindung betreiben, die auf dem Jakobsweg geplant war. Die einzigen Dinge, die ich mir erlaubte, waren solche, die mit meiner Zukunft zu tun hatten oder mit denen ich vorher noch nie in Kontakt gekommen war. Das gesparte Geld – durch die frühere Abreise – wollte ich nutzen, um sie umzusetzen.

Es war eine interessante Zeit. Eine Zeit, die mir sehr viele neue und gewinnbringende Erfahrungen einbrachte. Denn letztendlich zwang ich mich Dinge auszuprobieren, an die ich vorher nie gedacht hätte, weil mein normales Leben auch seine normalen Bräuche hatte, die es weitestgehend ausfüllten. Viele der Dinge habe ich nie wieder gemacht und nicht alle meine Probleme der Selbstfindung haben sich damals gelöst, doch noch heute nehme ich mir mehrmals im Jahr ein paar Tage Zeit, genau das zu tun. Neue Dinge auszuprobieren. Und jedes Mal lerne ich mich wieder ein Stück besser kennen.

 Ohne “Jakobsweg” zu sich selbst finden

Erst vor kurzem nutze ich einen dieser Tage, um zum ersten Mal in meinem Leben im Wald spazieren zu gehen um Pilze zu sammeln, dass passende Buch dazu in der Hand. Es war seltsam, mir kam diese Idee früher immer fremd vor, ich könnte mit so etwas Zeit verbringen. Ich bin einfach kein Waldmensch, Pilzmensch sowieso nicht. Sicherlich werde ich auch nie ein großer Pilzsammler, dazu kenne ich mich mittlerweile eben zu gut. Doch genau in diesen paar Stunden des Neuen und Ungewohnten hatte ich auch jede Menge Ideen für mein gewohntes Leben. Es war inspirierend, kostete mich dank Bibliotheksausweis gar nichts und auf den Jakobsweg musste ich dafür auch nicht, nur in den nahegelegenen Wald.

Selbstfindung geht auch so. Bei dir zu Hause.

Dein Philipp

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Autor: Jan
Kategorie: Bewusstsein, Erfolg, Persönichkeitsentwicklung

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Kommentare (2)

  • Silvia Offermann
    12/12/2012 at 09:19 |

    Hallo Philipp,

    das ist ein sehr guter Beitrag!
    Das zu tun, was einem gut tut ist sehr wichtig! Jeder Mensch braucht genau diese Auszeiten, um sich selbst zu fühleb, Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Nach genau diesen Freiheiten für einen selbst schöpfen wir wieder Kraft und Motivation für Neues.

    Eure Beiträge sind jedesmal spitze und eine Bereicherung für alle Menschen.

    Vielen Dank an euer gesamtes Team.

    Lieben Gruß
    Silvia

  • Caphilchen
    09/04/2014 at 13:41 |

    Toller Beitrag aber wie soll man so etwas mit Familie machen? Ich liebe meine Familie überalles aber mich hasse ich. Ich habe indirekten Druck – vermutlich durch mich selbst – Geld zu verdienen bzw in meiner jetzigen Situation das Abitur so gut es geht zu bestehen. Doch versage ich automatisch als Familienvater da ich keine Zeit mehr habe. Vermutlich könnte ich besser mit Allem umgehen wenn ich wüsste wer ich selbst bin… Wieso? Weil man wärend der abstinenten Zeit stark an sich zweifelt und man überlegt sich für seine Famile ” zu opfern ” . Ich würde es immer machen aber mich selbst verliere ich dadurch… Sry , das waren meine Gedanken dazu… Etwas fehl am Platz… Toller Beitrag und gratuliere zu dieser Erkenntnis! Ich wünscht ich erlange sie auch irgendwann.

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